























Der klassische Wagenbauer wird nicht geboren – er ist irgendwann einfach da. Zunächst schaut er interessiert zu, stellt Fragen und hilft vielleicht hier und da mit. Doch irgendwann hat ihn das Wagenbauerfieber gepackt. Von diesem Moment an fiebert er dem Jahreswechsel entgegen. Denn dann beginnt für die Wagenbauer wieder die wohl schönste Zeit des Jahres: Es wird geplant, gebaut, geschraubt, gemalt und gestaltet. Mit viel Kreativität, handwerklichem Geschick und einer großen Portion Gemeinschaftssinn entsteht Schritt für Schritt der Karnevalswagen für die kommende Session.
Die Wagenbauer nehmen innerhalb der Heidefreunde eine besondere Stellung ein. Ihnen wird nachgesagt, dass sie gradlinig, fleißig, kreativ und manchmal etwas verschlossen sind. Der Weg zu den Wagenbauern scheint auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz einfach. Wer jedoch einmal den Mut hat, während der Vorbereitungszeit an die Hallentür zu klopfen, wird schnell feststellen: Hinter den Toren arbeitet eine herzliche Gemeinschaft mit viel Humor, Teamgeist und Freude am gemeinsamen Schaffen. Deshalb gilt für alle Interessierten – ob Heidefreund oder nicht: Einfach vorbeikommen, reinschauen und mitmachen. Neue helfende Hände sind jederzeit willkommen.
Auch wenn die Heidefreunde auf den ersten Blick als reiner Männerverein erscheinen, spielen Frauen, Partnerinnen und Partner, Kinder – kurz gesagt die gesamte Heidefreunde-Familie – eine wichtige Rolle im Vereinsleben. Besonders deutlich wird dies bei den Wagenbauern. Hier packen Frauen genauso selbstverständlich mit an wie die Männer. Mit ihrem Engagement, ihrer Kreativität und ihrem Blick für die vielen kleinen Details leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Wagenbaus und bereichern das Vereinsleben auf besondere Weise.
Ein Verein, der 1955 gegründet wurde und heute knapp 300 Mitglieder zählt, hat viele Entwicklungen erlebt. Waren in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren vor allem Handwerker prägend für das Vereinsleben, so finden sich heute Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen in unseren Reihen. Viele verbringen ihren Arbeitsalltag am Schreibtisch, vor dem Computer oder in verantwortungsvollen Positionen in Wirtschaft und Verwaltung.
Gerade das macht die Heidefreunde so interessant. Hier kann der Banker, der Kaufmann, der Prokurist oder der Anwalt auch einmal zur Bohrmaschine, zum Pinsel oder zur Säge greifen. In einem großen Verein gibt es immer etwas zu tun – sei es beim Wagenbau, bei Veranstaltungen oder bei der Pflege unserer Anlagen. Und manchmal reicht es schon, einfach einmal die Heckenschere in die Hand zu nehmen und mit anzupacken.
Also traut euch – bei den Heidefreunden stehen Gemeinschaft, Spaß und das gemeinsame Erleben immer im Vordergrund.
Der Wagenbau bedeutet natürlich nicht nur Arbeit. Er bedeutet nicht nur Kreativität, Planung und Organisation, nicht nur Materialbeschaffung und gelegentlich auch ein paar graue Haare. Der Wagenbau bedeutet vor allem Spaß, Gemeinschaft und das gemeinsame Arbeiten auf ein großes Ziel hin.
Dieses Ziel sind die Karnevalszüge in Altenhagen und Boele. Besonders mit den Freunden der Loßröcke verbindet die Wagenbauer seit Jahrzehnten eine freundschaftliche Rivalität. Jahr für Jahr messen sich beide Vereine mit großem Ehrgeiz, sportlicher Fairness und einer gehörigen Portion Humor im Wettstreit um den schönsten Wagen. Umso größer ist die Freude, wenn man den Rivalen aus dem Nachbardorf einmal hinter sich lassen kann – auch wenn beide Seiten bereits darüber nachdenken, wie man es im nächsten Jahr noch besser machen kann.
Den Abschluss einer erfolgreichen Session bildet traditionell die Wagenbauerfete. Hier sind alle willkommen, die mitgeholfen haben – jede helfende Hand hat ihren Platz. Es wird gemeinsam gegessen, gefeiert und auf die vergangenen Monate zurückgeblickt. Der Stukenförster schaut vorbei, der Vorstand gratuliert, und man freut sich über das Erreichte. Spätestens an diesem Abend entstehen dann auch schon die ersten Ideen und geheimen Pläne für das nächste große Projekt.
„Die Heidefreunde bauten den schönsten Prunkwagen.“
– Westfalenpost, Februar 2013
„Die Heidefreunde räumen in Boele Preise ab.“
– Westfalenpost, Februar 2015